Wohin geht die Reise? transport logistic 2009 ist eröffnet
Während sich draußen über dem Münchener Messegelände der Himmel zuzog und erste Regentropfen fielen, eröffnete in Halle B3 Wolfgang Tiefensee die diesjährige transport logistic. Und da wir uns in einem Wahljahr befinden, wurde neben dem Messeveranstalter vor allem die eigene Politik gelobt. “Wir wollen eine Brücke über das Tal der Krise bauen“, verbreitete der Politiker Optimismus und verwies vor allem auf den “Masterplan Güterverkehr und Logistik” der Bundesregierung, der mit seinen 35 Einzelmaßnahmen den Weg aus dem Tal der Tränen weisen soll. In zwei Jahren - bei der nächsten transport logistic - werde man dann hoffentlich zurückblickend sagen können, dass 2009 die Weichen richtig gestellt worden seien.

Auch der stellvertretende Messechef Eugen Egetenmeir (Tiefensee: “Agentenmeier”) war bei der Eröffnung trotz der immensen Branchenprobleme guter Dinge: Immerhin sind die Ausstellerzahlen der transport logistic 2009 um knapp 11 Prozent gewachsen und haben einen “neuen historischen Höchststand” erreicht. Die Messe erweise sich als ein Magnet für die Branche in ganz Europa. In der anschließenden Podiumsdiskussion gab es auch bei den Konjunkturzahlen Entwarnung. “Die ganz große Katastrophe ist ausgeblieben“, sagte Prof. Klaus-Michael Kühne, Präsident des Verwaltungsrates der Kühne + Nagel AG, der sich “moderat optimistisch” zeigte. Prof. Raimund Klinkner, Vorstandsvorsitzender der Bundesvereinigung Logistik (BVL), bezifferte den durchschnittlichen Rückgang des Transportvolumens für 2009 auf insgesamt 5 %. Wobei es einige Logistik-Teilbereiche deutlich härter treffe. Darunter zum Beispiel die Güterbahnen.
Nachdem der ursprünglich für die Podiumsdiskussion vorgesehene Ex-DB-Chef Hartmut Mehdorn aus bekannten Gründen nicht teilnehmen konnte, sagte auch sein Ersatzmann - Dr. Norbert Bensel, Vorstand der DB Mobility Logistics AG - kurzfristig ab. So blieb der Schienengüterverkehr auf dem Podium ohne Vertretung. Und es gab auch keinen Widerspruch, als Mathias Ruete, Generaldirektor für Verkehr bei der EU-Kommission in Brüssel, feststellte: “Wir müssen von der Idee wegkommen, dass man den Verkehr verlagern kann. Die Strasse wird auch in 20 Jahren noch die bestimmende Rolle spielen.”
Es waren schließlich die Spediteure unter den Podiumsteilnehmer, die - unterstützt von der TV-Moderatorin Katja Dofel als Diskussionsleiterin - konkrete Verlagerungsziele und einen Ausbau der Schieneninfrastruktur forderten. “Man sollte Schenker privatisieren und mit den 6 Milliarden Euro, die dabei eingenommen werden, einen Quantensprung bei der Schieneninfrastruktur organisieren“, forderte Prof. Kühne unter großem Beifall des Publikums. Vor allem eigene Trassen für den Schienengüterverkehr wie in Frankreich wurden von mehreren Diskussionsteilnehmern verlangt. Bei Minister Tiefensee stießen sie damit allerdings nicht auf Begeisterung: “Das ist eine schöne Vision, aber angesichts der komplexen Struktur des deutschen Schienennetzes viel zu teuer und nicht zu schaffen“. Der SPD-Politiker wollte stattdessen “vorhandene Flaschenhälse beseitigen” und diskutierte lieber über Maßnahmen für den Lärmschutz beim Eisenbahnverkehr, für den sein Minsterium viel Geld ausgebe und wo bis Ende des Jahres etliche konkrete Maßnahmen vorgestellt werden sollen.
“Geht die Entwicklung überhaupt in die richtige Richtung“, fragte Moderatorin Katja Dofel angesichts des erklärten Ziels zur Reduzierung des CO2-Ausstosses völlig zu Recht. Denn über “grüne Logistik” - immerhin ein Schwerpunkttema der Messe - wurde auf dem Podium natürlich auch diskutiert. Aber wenn es dann konkret werden sollte, blieben die Aussagen meist recht unverbindlich. “Ein Anteil der Schiene von weniger als 20 Prozent am gesamten Gütertransport ist viel zuwenig“, konstatierte Monika Ribar, CEO von Panalpina in Basel. Und stellte die Frage: “Welche Ziele setzen wir uns denn, um diesen Zustand zu ändern?” Denn geredet werde schon sehr lange, doch irgendwann müsse man doch einmal mit dem Handeln anfangen. Vielleicht ist die gegenwärtige Krise hier tatsächlich eine Chance und fördert das Umdenken.

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