Kommt der Mehdorn-Nachfolger aus der Schweiz?
Wie schon von uns erwartet, wird Hartmut Mehdorn die diesjährige “transport logistic” in München höchstens als Privatperson besuchen. Mit der geplanten prunkvollen Messeeröffnung – gemeinsam mit Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee – ist es nun Essig. Derweil läuft in Berlin die Gerüchteküche heiß.
Toni Hofreiter, Obmann der Grünen im Verkehrsausschuß des Deutschen Bundestages, brachte bereits – ohne dabei einen konkreten Namen zu nennen – “einen Manager von den Schweizer Bundesbahnen” ins Spiel, der Mehdorn im Berliner Bahntower beerben könnte. Denn das gesamte obere Führungspersonal der DB AG und des Verkehrsministeriums sei für ein Nachrücken ungeeignet.
Hofreiter: „Die Deutsche Bahn braucht einen kompetenten und sachkundigen Vorstandsvorsitzenden. Die Besetzung dieses Postens mit Managern aus bahnfernen Branchen hat bislang durchweg schlechte Ergebnisse erbracht. Die beste und kundenfreundlichste Bahn Europas, die Schweizer Staatsbahn hat hingegen auf bahneigenes Führungspersonal gesetzt. Diese Strategie ist Teil ihres vorbildhaften Erfolges.“
Da hat der grüne Politiker allerdings recht. Qualität, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Sicherheit und Ökologie – diese Attribute zeichnen auch die Schweizer Güterbahn aus. Deshalb positioniert sich SBB Cargo auf der “transport logistic” unter dem Label „Swissness“ bewusst als Schweizer Marke.
Apropos Güterbahn. In der Berichterstattung über den angekündigten Mehdorn-Rückzug ging die Jahresbilanz des Bahnkonzerns etwas unter. Obwohl die ja eigentlich der Grund der heutigen Pressekonferenz war. Im Schienengüterverkehr von DB Schenker Rail – so die Botschaft – “war 2008 infolge einer schwächeren Entwicklung seit der Jahresmitte 2008 ein schwieriges Jahr.” Insgesamt stiegen die Zahl der beförderten Güter zwar um 21,1 Prozent oder 65,9 Millionen Tonnen auf 378,7 Millionen Tonnen und die Verkehrsleistung um 15 Prozent oder 14,8 Milliarden Tonnenkilometer (tkm) auf 113,6 Milliarden tkm. Ursächlich dafür war allerdings die erstmalige Einbeziehung der Ende 2007 erworbenen britischen Tochtergesellschaft EWS. Ohne Berücksichtigung der EWS konnte DB Schenker Rail 2008 seinen hohen Vorjahreswert nicht wieder erreichen.
Massive Einbrüche bei der Nachfrage im Schienengüterverkehr – so Mehdorn – lassen befürchten, dass demnächst die bisher auf 5000 Mitarbeiter beschränkte Kurzarbeit ausgeweitet werden muss. An Entlassungen denke die Deutsche Bahn allerdings vorerst nicht. Ziel sei es vielmehr, so durch die Krise zu kommen. Die weitere Entwicklung hänge aber von der Marktlage ab. Und da kann niemand im Moment eine Prognose abgeben.

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Ein Kommentar
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Malte Herwig schrieb am 30. März 2009 um 8:27 pm
Tatsächlich gibt es auch im Verkehrsausschuss des Dt. Bundestags Mitglieder, die gerne einen Schweizer an die Spitze der Deutschen Bahn holen wollen. Aber sie sind in der Minderheit. Nachfolger wird wohl Ex-Staatssekretär Alfred Tacke, die “Notbremse aus Niedersachsen”. Der weiß, wie man mit Politikern umzugehen hat.