Interview mit Minister Tiefensee: Jetzt schon auf die Zeit nach der Krise vorbereiten
Im Vorfeld der transport logistic 2009 in München veröffentlicht das Cargo-Blog eine mehrteilige Interview-Reihe. Den Anfang macht der deutsche Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, der am kommenden Dienstag auch die Messe offiziell eröffnen wird.
Wie wirkt sich nach Ihrer Einschätzung die weltweite Wirtschaftskrise auf die Konjunktur des deutschen Transport- und Logistikmarktes aus? Welche Chancen sehen Sie trotz Krise?
Tiefensee: Von der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ist diese Branche angesichts wegbrechender Transportaufträge besonders betroffen. Durch die beiden Konjunkturpakete der Bundesregierung werden kurzfristig Bauaufträge ausgelöst, dies nützt auch dem Transport- und Logistiksektor. Wir investieren in diesem und im kommenden Jahr soviel Geld wie nie zuvor in die Verkehrsinfrastruktur, auch beim Kombinierten Verkehr. Es geht um die Modernisierung der Hinterlandanbindungen unserer Seehäfen. Dazu kommt der Ausbau der Zufahrten von der Seeseite, die Anbindung und Vernetzung unserer zentralen Flughäfen und die Förderung der Anwendung moderner und effizienter Umschlagstechnologien. All diese Maßnahmen sind in die Zukunft gerichtet und kommen der Transport- und Logistik-Branche langfristig zugute.
Mit welchen Einschnitten ist bei der Umsetzung des „Masterplans Güterverkehr und Logistik“ auch unter Berücksichtigung der finanziellen Einbußen durch den verschobenen Börsengang der Deutschen Bahn AG zu rechnen?
Tiefensee: In meinem Haushalt stehen 2009 und 2010 jeweils etwa zwölf Milliarden Euro für Verkehrsinvestitionen zur Verfügung. Mit diesen Rekordsummen sichern wir die Umsetzung des Masterplans. Wir beseitigen Engpässe in der Infrastruktur, stärken den Lärm- und Umweltschutz und schaffen noch bessere Arbeitsbedingungen in der wichtigen Transport- und Logistikbranche. Alle 35 konkreten Maßnahmen sind inzwischen in der Umsetzung. Auch ohne die Teilprivatisierung der Mobilitätssparte der Deutschen Bahn erreichen wir unsere Ziele. Wir bauen beispielsweise Eisenbahnknoten und Umschlagbahnhöfe aus.
Welches sind Ihre Pläne, um den bis 2020 nach Prognosen um ein Drittel steigenden europäischen Güterverkehr in Deutschland unter umwelt- und energietechnischen Aspekten in den Griff zu bekommen?
Tiefensee: Der Masterplan Güterverkehr und Logistik ist der Schlüssel zur Bewältigung des Verkehrs der Zukunft. Wir bauen die Infrastruktur konsequent aus und werden in Zukunft alle Verkehrsträger nach ihren Stärken einsetzen. Der LKW ist auf kurzen Distanzen das flexibelste Verkehrsmittel, Schiene und Wasserstraße haben auf langen Strecken ihre Vorteile. Deswegen bringen wir den Kombinierten Verkehr voran. Mit innovativen technischen Maßnahmen reduzieren wir Schadstoffe, CO2- und Lärmbelastung. Und natürlich müssen wir noch besser werden, wenn es darum geht, vorhandene Kapazitäten optimal auszunutzen und durch Synergien auch Verkehr zu vermeiden.
Welche Rolle können Messen wie die transport logistic gerade in solchen schwierigen Zeiten für die Branche spielen?
Tiefensee: Wir müssen uns jetzt auf die Zeit nach der Wirtschaftskrise vorbereiten. Die transport logistic 2009 wird wichtige Innovationen und Trends für die Zukunft zeigen. Ich nenne nur die Bereiche Umwelt und Energieeinsparung oder die Kontraktlogistik. Hier erwarte ich Impulse und Anreize für die Erschließung neuer Märkte, aber auch für die Sicherung des Status Quo.
Das Interview führte Anja Behringer

Trackback
RSS Feed
Noch keine Kommentare!