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30.04.12

SBB Cargo International: Gelungener Start mit vielen Herausforderungen

Seit gut einem Jahr ist SBB Cargo International in Fahrt. Eine erste Bilanz zeigt: Die eigenen Hausaufgaben kann CEO Michail Stahlhut gut lösen, aber externe Faktoren machen dem Unternehmen zu schaffen. Im Interview mit dem neuen Cargo Magazin, das Ende der Woche erscheint, redet er Klartext.

Vor einem Jahr sagten Sie gegenüber  dem Cargo Magazin, dass Sie mit SBB Cargo International in zwei Jahren ein erfolgreiches  Unternehmen aufgebaut  haben wollen. Wie weit sind Sie zur Halbzeit  gekommen?

Michail Stahlhut: Ich hatte damals auch gesagt, dass wir den Motor in Gang gesetzt hätten – heute kann ich sagen: Der Motor läuft. Wir sind in der Schweiz unterdessen als eigenständiges Eisenbahnverkehrsunternehmen zugelassen und wir haben bereits das erste Zertifizierungsaudit nach ISO 9001:2008 erfolgreich durchlaufen. Eisenbahnmässig ist der Start also gelungen. Wirtschaftlich hingegen hatten und haben wir aufgrund des tiefen Eurokurses mit weit härteren Bedingungen zu kämpfen als erwartet. Monat für Monat stellten wir uns die Frage: Wo können wir noch schlanker werden? Die Produktionskosten in den Griff zu bekommen, ist ein wahrer Härtetest.

Nicht ganz einfach waren auch die Verhandlungen mit den Lokführern. Wo stehen Sie dort?

Michail Stahlhut: In den Ländern Deutschland und Italien arbeiten wir nach dem angestammten Muster. In der Schweiz mieten wir unsere Lokführer nach wie vor bei unserer Muttergesellschaft SBB Cargo sowie teilweise auch bei Dienstleistern an. Unser Ziel ist es, den Markt vergleichbar wie in Deutschland mitzugestalten. Wir wollen für die Lokführer, die bei uns arbeiten, ein verlässlicher und fordernder Arbeitgeber sein. Wir werden einen grossen Teil des benötigten Personals fest anstellen und zusätzlich flexibel Lokführer einsetzen.  Die GAV-Verhandlungen konnten wir – nach kontroversen und für alle Seiten fordernden Diskussionen – bis Ende April abschliessen.

Verschiedene Güterbahnen, darunter SBB Cargo, haben im vergangenen Dezember gemeinsame Forderungen für den europäischen Transitkorridor Rotterdam – Genua gestellt. Welches Ziel verfolgen Sie mit  diesen Forderungen?

Michail Stahlhut: Damit der Korridor funktioniert, reicht es nicht, dass es Schienenverbindungen zwischen den einzelnen Ländern gibt. Es braucht einiges mehr: etwa ein gleiches Verständnis der Auslastung einer Trassenkapazität in Bezug auf Zuglänge und Tonnage. Hinzu kommen so banale Dinge wie ein einheitliches Stromnetz und standardisierte Zugsicherungssysteme. Ideal wäre letztlich eine europäisch vereinheitlichte  Kommunikation wie im Flugverkehr.  … Dies zu erreichen, ist keine leichte Aufgabe – Ziel muss es doch sein, dass ein internationaler Güterverkehr ohne Subventionen
auskommt.

Das gesamte Interview können Sie Ende der Woche im Cargo Magazin 2/2012 nachlesen.

26.04.12

GAV für SBB Cargo International ist abgeschlossen

SBB Cargo International und die Personalverbände des öffentlichen Verkehrs haben heute morgen in Olten einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) unterzeichnet. SBB Cargo International ist ein Tochterunternehmen von SBB Cargo und Hupac.

links: Giorgio Tuti, Präsident SEV, rechts: Michail Stahlhut, CEO SBB Cargo International

Das Ergebnis der GAV-Verhandlungen ist ein Kompromiss, beide Seiten mussten Konzessionen machen. Der Vertrag orientiert sich an den bestehenden Gesamtarbeitsverträgen bei der SBB und tritt am 1. Mai 2012 in Kraft. Er regelt Fragen zu Arbeitszeiten, Löhnen und Zulagen und bindet die Vertragsparteien an die Friedenspflicht. Er gilt für das gesamte Personal in der Schweiz (ohne höheres Kader) und auch für die Lokführer, die das Unternehmen in Zukunft anstellen wird. Bisher arbeitete es mit Lokpersonal der Muttergesellschaft SBB Cargo, aus der es 2011 hervorgegangen ist. Seitens der Personalverbände haben der Schweizerische Eisenbahnerverband (SEV), Transfair, der Kaderverband des öffentlichen Verkehrs und der Verband Schweizer Lokomotivführer und Anwärter den Vertrag unterschrieben.

15.11.11

SBB Cargo International telefoniert über das Internet

Mit dem Umzug in den neuen Hauptsitz in Olten hat SBB Cargo International die Telefonanlage völlig neu aufgebaut. „Voice over IP“ heisst das Zauberwort: Auch die Sprachkommunikation erfolgt nun über das Internet.

Die neue Zentrale von SBB Cargo International in Olten

Wenn man 30.000 Güterzüge pro Jahr über etliche Ländergrenzen hinweg koordinieren muss, fallen jede Menge an Telefongesprächen an. Und wenn – wie bei SBB Cargo International –  schlanke Strukturen und effiziente Prozesse im Vordergrund stehen, um gegen den wachsenden Kostendruck bestehen zu können, muss auch die Informationstechnologie und die Telekommunikation  auf den Prüfstand kommen. Deshalb bezieht das Eisenbahnverkehrsunternehmen mit dem Umzug in seinen neuen Hauptsitz in Olten die Netzwerkinfrastrukturen von der Swisscom, die PC-Arbeitsplätze sind an Dell ausgelagert und die Festnetztelefonie wird von der Zürcher e-fon sichergestellt. Die bietet eine Voice-over-IP-Lösung (VoIP) an, bei der auch die Telefonie über das Datennetz abgewickelt wird. Eine zweifache Verkabelung, wie bisher notwendig, ist dadurch überflüssig geworden.

Da ein teures Callcenter für uns nicht in Frage kam, haben wir dazu Alternativen gesucht“, berichtete Fred-Marc Gmür, Finanz- und IT-Chef von SBB Cargo International, kürzlich der HandelsZeitung.  Gefordert wurde eine hochverfügbare Kommunikationsinfrastruktur, die rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr im Dauereinsatz störungsfrei funktioniert. „Wir konnten auf der grünen Wiese, also von Grund auf, eine neue VoIP-Anlage installieren“, so Gmür. Begonnen habe man mit 40 Telefonen in der Zentrale in Olten, nun sind es 57 Geräte und bis zu 100 sollen dereinst im Einsatz stehen. Bis Ende Jahr müssen noch je 50 Telefone an den beiden Standorten in Deutschland und Italien via VoIP integriert sein.

15.000 bis 20.000 Telefonate im Monat wickelt das Unternehmen derzeit über Voice over IP ab. Auch  die Mitarbeiter, die mit dem Laptop unterwegs sind, können über jedes WLAN im Firmennetz telefonieren. Wichtig war für den Finanz- und IT-Chef, dass die neue Anlage mit dem im Aufbau begriffenen Unternehmen mitwachsen und die Standorte in Deutschland und Italien einfach eingebunden werden können. Natürlich habe es auch eine Rolle gespielt, dass die Gesprächskosten gegenüber einer traditionellen Telefonanlage rund 50 Prozent günstiger sind und die Grundgebühren entfallen. „Unsere einmaligen Investitionen werden schon in Kürze amortisiert sein“, ist sich Fred-Marc Gmür sicher, „und die Service-Techniker habe ich seit der Installation nicht mehr im Haus angetroffen.“

23.09.11

SBB Cargo International: Loktaufe in Olten

SBB Cargo International hat gestern nachmittag seinen neuen Hauptsitz in Olten mit einer Loktaufe offiziell eingeweiht. Das Unternehmen mit Standorten in Deutschland und Italien fuhr im ersten Halbjahr auf der europäischen Nord-Süd-Achse bereits über 15.000 Züge.

Mit der Taufe einer international einsatzfähigen Lok Re 482 auf den Namen „Olten“ hat SBB Cargo International gestern seinen Hauptsitz in der traditionsreichen Eisenbahnerstadt offiziell eingeweiht. Taufpaten waren die Solothurner Regierungsrätin Esther Gassler, Vorsteherin des Volkswirtschaftsdepartements, und der Oltner Stadtpräsident Ernst Zingg. Damit ist der etappenweise Aufbau des Unternehmens seit der formellen Gründung anfangs Jahr abgeschlossen. „Ich freue mich sehr, dass wir uns in Olten niederlassen konnten und damit an die über 100-jährige Schweizer Eisenbahntradition anknüpfen können“, erklärte Michail Stahlhut, CEO von SBB Cargo International, anlässlich der Eröffnungsfeier. Olten liege optimal und sei für die rund 100 Mitarbeitenden aus verschiedenen Regionen in Pendlerdistanz gut erreichbar.

Seit Januar fahren die Güterzüge auf der Nord-Süd-Achse zwischen Nordsee und Italien unter der Flagge von SBB Cargo International. „Wir sind operativ gut unterwegs, kämpfen aber teilweise noch mit den üblichen Startschwierigkeiten“, unterstrich Michail Stahlhut vor den Medien. In den ersten sechs Monaten habe SBB Cargo International über 15.000 Züge gefahren. Dazu wird eine Lokflotte von rund 100 Maschinen eingesetzt, die Hälfte davon international einsetzbare Mehrsystemloks. „Die Transportleistung entwickelt sich somit gut, stark zu schaffen macht uns jedoch der starke Franken.“ Die Einnahmen bei den internationalen Gütertransporten fallen hauptsächlich in Euro an, die Kosten für die Transporte durch die Schweiz jedoch massgeblich in Franken. „Die Währungssituation belastet die finanzielle Entwicklung stark. Wir werden daher auch Preiserhöhungen nicht verhindern können. Es muss davon ausgegangen werden, dass der Transitverkehr durch die Schweiz auf der Schiene generell teurer wird“, so Michail Stahlhut.

Frühe Dampfloks mit Namen Olten

Mit dem Namen „Olten“ führt die moderne, international einsetzbare Lokomotive vom Typ Re 482 eine alte Eisenbahntradition weiter: Zwei der frühen Dampflokomotiven der Schweizerischen Centralbahn trugen im 19. Jahrhundert bereits diesen Namen:

  • 2/5-gekuppelte Tenderlokomotive, Baujahr 1854, ausrangiert 1905. Die Lokomotive hiess ursprünglich „Jura“ und wurde 1859 in „Olten“ umgetauft (Schweizerische Centralbahn Betriebs-Nr. 4 – ab 1902 SBB Betriebs-Nr. 6998).
  • 2/4-gekuppelte Tenderlokomotive (System Engerth), Baujahr 1857, ausrangiert 1893. Die Lokomotive wurde 1859 von „Olten“ in „Wigger“ umgetauft. (Schweizeri-sche Centralbahn Betriebs-Nr. 16).

05.08.11

SBB Cargo International: Lizenz zum Fahren in der Schweiz

Das Streckennetz von SBB Cargo International

Seit vier Wochen hat SBB Cargo International jetzt auch die vom Bundesamt für Verkehr (BAV) erteilte Netzzugangsbewilligung und Sicherheitsbescheinigung für die Schweiz.

Damit ist das neu gegründette Unternehmen nun auch “offiziell” als selbstständiges Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) voll funktionsfähig und kann auch in der Schweiz eigenverantwortlich Transportleistungen erbringen – von der Trassenbestellung bis zur eigenen Transportdurchführung. Bisher musste dafür SBB Cargo beauftragt werden. An den Lizenzen und Zertifikaten von SBB Cargo Deutschland und SBB Cargo Italia hat sich dagegen nichts geändert.

Als Zollverfahren ist das vereinfachte gemeinschaftliche Versandverfahren (vgVV) sichergestellt. Dabei handelt es sich um einen standardisierten Prozess für Warenbeförderungen im Eisenbahnverkehr. Durch eine lückenlos nachvollziehbare elektronische Kommunikation ist es möglich, die erforderlichen Zollpapiere (Stempelabdruck “T1″) selbst auf dem Frachtbrief anzubringen. Die Beförderung der Güter wird dadurch erheblich beschleunigt und der Arbeitsaufwand für alle Beteiligten deutlich verringert.

Die operative Steuerung der Verkehre erfolgt bereits seit einiger Zeit zentral von der neuen Leitstelle der SBB Cargo International in Olten. Als eigenes EVU wird die internationale Güterbahn wie geplant Lokpersonal von SBB Cargo anmieten. Ab 2012 werden dann die Lokführer in einer geregelten, sogenannten Arbeitnehmerüberlassung übernommen.